E-Scooter – Fluch oder Segen? – UP Designstudio

E-Scooter: Fluch oder Segen für Deutschlands Städte?

Elektroroller erobern die Städte – doch sind sie wirklich eine Bereicherung für die urbane Mobilität?

11.12.2019 15:30Uhr

Lesedauer: 3 Minuten

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Plötzlich sind sie da, stehen in kleinen Gruppen am Straßenrand, lehnen verlassen an Hauswänden oder surren über Radwege, durch Parks, Fußgängerzonen, auf engen Gehwegen. Auch in Deutschlands Großstädten ist nun das Scooter-Sharing nach dem Free-Floating-Prinzip angekommen, der Hype um das Neue voll entbrannt. Und auch die Diskussion um den Sinn der flinken Gefährte – angestoßen nicht nur von den ewigen Bedenkenträgern, sondern auch von Verkehrsexperten.

Ökologisch fragwürdige Elektroroller

Während die Verleihfirmen den ökologischen Aspekt der Roller preisen – schließlich könne man das Auto endlich öfter stehen lassen – bezweifeln neutrale Analysten genau dies. So deuten die bislang verfügbaren Daten eher darauf hin, dass Elektroroller den öffentlichen Nahverkehr sowie Fußstrecken kannibalisieren. Verfestigt sich diese Beobachtung, dann bringen die neuen Gefährte keine Entlastung für die Umwelt. Zwar benötigen die leichten Elektroroller nur etwa 15 Prozent der Energie eines Elektroautos, dafür schlägt die Herstellung inklusive Lithium-Ionen-Akku stärker zu Buche. Auch, weil der Verschleiß immens ist: Mitunter sind die Leihroller bereits nach einem Monat defekt, müssen repariert oder ganz ersetzt werden

Scooter sind schnell defekt

Ressourcenschonung sieht anders aus, aber selbst so scheint sich das Modell zu rechnen: Bereits nach etwa vier Monaten im Einsatz habe sich ein Elektroroller amortisiert, so zitiert „Die Zeit“ die Unternehmensberater von McKinsey. „Wer vom klassischen Fahrrad auf den E-Scooter wechselt oder sonst zu Fuß geht, belastet die Umwelt sogar zusätzlich“, so Stefan Blume vom Fraunhofer Institut IST.

Die Grenzen der Infrastrukturen

Neben der ökologischen Komponente verdeutlichen die E-Scooter aber ein Grundproblem der Stadtmobilität: Die urbanen Infrastrukturen sind längst an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt, der Kampf um den knappen Straßen- und Wegeraum zwischen den einzelnen Verkehrsträgern ist in vollem Gange. Weitere Fahrzeugarten, seien sie auch noch so „smart“, werden die Konflikte weiter verschärfen. Ohne die gewachsenen und auf den individuellen Autoverkehr ausgerichteten Infrastrukturen neu zu definieren, werden diese eher früher als später kollabieren.

Urbane Konzepte neu denken

Künftig wird es darum gehen, die unterschiedlichsten Mobilitätsformen gleichberechtigt konzeptionell zu berücksichtigen. Neue Vernetzungen, neue intermodale Nutzungsmodelle und der Abschied von der Dominanz des Pkws bilden die Eckpunkte einer zukunftsfähigen Verkehrsplanung. Eine Planung, die sich momentan zwischen Normen, Lobbyverbänden, Gewohnheiten und alten Prämissen laviert und wie gelähmt erscheint.

Um die Zukunft aufzugleisen, ist es notwendig, alle Mobilitätsgruppen und Initiativen einer Stadt gleichberechtigt einzubinden – beispielsweise in Workshops, die den politischen Gremien zur Seite stehen und deren Entscheidungen begleiten.

Eine komplexe Aufgabe, gewiss, aber nur aus der Diversität an Bedürfnissen, Erwartungen und Wünschen entsteht letztlich das wirklich Neue, die Innovation, die der urbane Verkehr so nötig hat. Der Weg dorthin unterscheidet sich also vom klassischen Planungsprozess, ist partizipativer aufgestellt, frei von etablierten Denkbremsen und bewegt sich in einem zunächst uneingeschränkten Möglichkeitsraum. Dieses dynamische Verfahren ist bei der Konzeption komplexer Produktsysteme State-of-the-Art, wird von Designern weltweit Tag für Tag praktiziert – und lässt sich übertragen, anpassen sowie skalieren. Wenn es um die Verkehrsplanung für morgen geht, sind wir vom UP Designstudio gerne dabei – als Moderatoren, Impulsgeber, Querdenker oder Integratoren.

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David Mooz

David ist Innovation Consultant bei UP Designstudio. Er ist bei UP Experte für Themen rund um: Business Design, Design thinking, Moderation und Branding.

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